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Ausfallsicheres Internet für KMU: 7 Branchen, die eine Backup-Verbindung brauchen

Christian Werner||12 Min. Lesezeit

Zusammenfassung (TL;DR)

Internet-Ausfälle verursachen bei vielen KMU direkte Umsatzverluste - von ausgefallenen Kartenzahlungen im Einzelhandel bis zu blockierten Produktionsstraßen in der Industrie. Eine redundante Internetanbindung kombiniert mehrere Zugangstechnologien (Glasfaser, DSL, 5G, LTE) und wechselt bei Ausfall automatisch innerhalb von Millisekunden auf die Backup-Leitung. Besonders kritisch: Einzelhandel und Gastronomie (keine Kartenzahlung), Arztpraxen (E-Rezept), Produktionsbetriebe (Industrie 4.0), Steuerberater (Cloud-Buchhaltung), Hotels (Gästezufriedenheit), Logistik (Flottenmanagement) und IT-Dienstleister (Cloud-Services). Die Investition rechnet sich oft bereits nach dem ersten vermiedenen Ausfalltag.

Warum brauchen KMU eine redundante Internetanbindung?

In Deutschland, Österreich und Italien werden KMU zunehmend abhängig von stabilen Internetverbindungen. Cloud-Software, Kartenzahlungen, VoIP-Telefonie, vernetzte Maschinen - fast jeder Geschäftsprozess läuft heute über das Internet. Ein Ausfall von wenigen Stunden kann existenzbedrohend werden.

Eine einzelne Internetleitung - egal ob DSL, Kabel oder Glasfaser - bietet typischerweise eine Verfügbarkeit von 99% bis 99,5%. Das klingt gut, bedeutet aber: Bis zu 44 Stunden Ausfall pro Jahr sind 'normal'. Für viele Unternehmen ist das inakzeptabel.

Die echten Kosten von Internet-Ausfällen

Die Kosten eines Internet-Ausfalls gehen weit über den offensichtlichen Umsatzverlust hinaus:

  • Direkter Umsatzausfall: Keine Kartenzahlungen, keine Online-Bestellungen, keine Cloud-Anwendungen
  • Produktionsausfall: Vernetzte Maschinen stehen still, Lieferketten werden unterbrochen
  • Reputationsschaden: Kunden weichen zur Konkurrenz aus, negative Bewertungen
  • Compliance-Verstöße: Besonders kritisch in regulierten Branchen wie Gesundheitswesen oder Finanzen
  • Personalkosten: Mitarbeiter können nicht arbeiten, werden aber weiter bezahlt
  • Notfall-Reparaturkosten: Express-Service von Providern kostet Extra

Ein Restaurant mit 2.000€ Tagesumsatz durch Kartenzahlung verliert bei einem halben Tag Ausfall bereits 1.000€ - mehr als die Jahreskosten für eine Backup-Verbindung. Eine Arztpraxis ohne E-Rezept-Zugang muss Patienten wegschicken. Ein Produktionsbetrieb mit stillstehenden Maschinen verliert oft fünfstellige Beträge pro Stunde.

Unterschied zwischen Backup und Redundanz

Die Begriffe werden oft synonym verwendet, haben aber technische Unterschiede:

EigenschaftBackup-LeitungRedundante Anbindung
Failover-ZeitSekunden bis MinutenMillisekunden (nahtlos)
Zweite LeitungStandby (passiv)Aktiv genutzt
BandbreiteNur bei AusfallImmer gebündelt verfügbar
KostenGünstigerHöher, aber mehr Leistung
AnwendungsfälleBüros, E-MailEchtzeit-Anwendungen, Produktion

Eine einfache Backup-Leitung schaltet erst bei Ausfall um - Videokonferenzen brechen ab, VPN-Tunnel müssen neu aufgebaut werden. Eine echte redundante Anbindung (z.B. durch Internet Bonding) nutzt beide Leitungen permanent und wechselt nahtlos zwischen ihnen. Für zeitkritische Anwendungen ist echte Redundanz die bessere Wahl.

7 Branchen, die ausfallsicheres Internet benötigen

Nicht jedes Unternehmen braucht eine redundante Internetanbindung. Für diese sieben Branchen ist sie jedoch business-critical:

1. Einzelhandel und Gastronomie: Keine Kartenzahlung = Kein Umsatz

In Deutschland, Österreich und Italien werden über 70% aller Zahlungen im Einzelhandel und in der Gastronomie mittlerweile mit Karte oder kontaktlos abgewickelt. Fällt das Internet aus, funktionieren Kartenterminals nicht mehr - und die meisten Kunden haben kein Bargeld dabei.

Ein typischer Samstagabend in einem Restaurant: 50 Gäste, Durchschnittsrechnung 40€, davon 80% Kartenzahlung. Bei einem zweistündigen Internet-Ausfall zur Hauptgeschäftszeit gehen 1.600€ Umsatz verloren. Hochgerechnet auf ein Jahr können bereits 2-3 solche Ausfälle die Kosten einer Backup-Verbindung übersteigen.

Zusätzliche Risiken:

  • Warenwirtschaftssysteme funktionieren nicht - Bestellungen können nicht erfasst werden
  • Kassensysteme sind offline - keine Rechnungserstellung möglich
  • Online-Bestellungen (Lieferando, UberEats) laufen nicht - Umsatz geht komplett an die Konkurrenz
  • Tischreservierungssysteme sind nicht erreichbar

2. Arztpraxen und Apotheken: E-Rezept und Telematik-Infrastruktur

Seit 2024 ist das E-Rezept in Deutschland Pflicht, in Österreich wird es schrittweise eingeführt. Ohne Internetverbindung können Arztpraxen keine Rezepte ausstellen - Patienten müssen unverrichteter Dinge wieder gehen oder auf Papier-Notfallrezepte ausweichen (was zusätzlichen Verwaltungsaufwand bedeutet).

Weitere kritische Online-Systeme im Gesundheitswesen:

  • Telematik-Infrastruktur (TI): Elektronische Gesundheitskarte kann nicht gelesen werden
  • Praxisverwaltungssoftware in der Cloud: Patientendaten nicht verfügbar
  • Laboranbindungen: Befunde können nicht abgerufen werden
  • Terminbuchungssysteme: Patienten können nicht buchen, Erinnerungen werden nicht versendet
  • Abrechnungssysteme: Quartalsabschlüsse verzögern sich

Besonders kritisch: In Apotheken führt ein Internet-Ausfall dazu, dass E-Rezepte nicht eingelöst werden können. Kunden müssen zur nächsten Apotheke fahren - ein direkter Wettbewerbsnachteil.

3. Produktionsbetriebe: Industrie 4.0 und vernetzte Maschinen

Moderne Produktionsanlagen sind vernetzt und kommunizieren in Echtzeit mit Cloud-Systemen, Lieferanten und Kunden. Industrie 4.0 bedeutet: Ohne Internet steht die Produktion still.

Typische Abhängigkeiten:

  • SPS-Steuerungen (Speicherprogrammierbare Steuerungen) mit Cloud-Anbindung
  • MES-Systeme (Manufacturing Execution Systems) für Fertigungssteuerung
  • ERP-Integration für Materialwirtschaft und Auftragsabwicklung
  • Predictive Maintenance: Maschinenwartung basiert auf Cloud-Analysen
  • Qualitätssicherungssysteme mit automatischer Datenübertragung
  • Supply Chain Management: Just-in-Time-Lieferungen erfordern permanente Konnektivität

Ein mittelständischer Maschinenbauer in der Nähe von Stuttgart verlor 2025 durch einen ganztägigen Glasfaser-Ausfall (Baggerschaden) geschätzt 35.000€ an Produktionsausfällen. Seitdem nutzt das Unternehmen eine redundante Anbindung mit Glasfaser + 5G-Backup.

4. Steuerberater und Rechtsanwälte: Datenschutz und Compliance

Steuerberatungs- und Anwaltskanzleien arbeiten heute fast ausschließlich mit Cloud-Software: DATEV, Lexware, oder spezialisierte Kanzleisoftware läuft auf externen Servern. Ohne Internet steht die gesamte Kanzlei still.

Kritische Geschäftsprozesse:

  • Zugriff auf Mandantendaten und Akten
  • Elektronisches Gerichts- und Verwaltungspostfach (beA) - Fristen können nicht eingehalten werden
  • DATEV-Cloud: Buchhaltung, Lohnabrechnung, Steuererklärungen
  • Videokonferenzen mit Mandanten
  • Digitale Signaturen für Verträge
  • Dokumentenmanagement und E-Mail-Archivierung (GoBD-konform)

Besonders heikel: Verpasste Fristen durch Internet-Ausfälle können zu Schadensersatzforderungen führen. Eine redundante Internetanbindung ist hier auch eine Form der Berufshaftpflicht.

5. Hotels und Ferienwohnungen: Gästezufriedenheit und Online-Buchungen

Für Hotels und Ferienwohnungen in Deutschland, Österreich und Italien ist eine stabile Internetverbindung mittlerweile genauso wichtig wie fließendes Wasser. Gäste erwarten WLAN - und schlechte Bewertungen wegen Internetproblemen schaden dem Geschäft nachhaltig.

Geschäftskritische Systeme:

  • Booking.com, Airbnb, HRS: Online-Buchungsplattformen müssen permanent erreichbar sein
  • Property-Management-Systeme (PMS) in der Cloud: Check-in/Check-out, Zimmerverwaltung
  • Gäste-WLAN: Schlechtes Internet = schlechte Bewertungen
  • Smart-Home-Systeme: Digitale Zimmerschlüssel, Heizungssteuerung, Beleuchtung
  • Zahlungssysteme: Kreditkarten-Terminals für Check-out
  • VoIP-Telefonie: Reservierungen, Zimmerservice

Ein Boutique-Hotel in Wien mit 30 Zimmern und durchschnittlich 80% Auslastung verliert bei einem Ausfall am Wochenende nicht nur direkte Buchungen - sondern riskiert auch negative Online-Bewertungen, die langfristig Gäste abschrecken.

6. Logistik und Transportwesen: Flottenmanagement und Tracking

Speditionen, Kurierdienste und Logistikzentren sind auf Echtzeit-Tracking und Cloud-basierte Disposition angewiesen. Ohne Internet können Touren nicht geplant, Sendungen nicht verfolgt und Fahrer nicht erreicht werden.

Kritische Systeme:

  • Telematik und GPS-Tracking: Wo sind welche Fahrzeuge?
  • Dispositionssoftware: Tourenplanung und Optimierung in Echtzeit
  • Sendungsverfolgung für Kunden: Track & Trace-Portale
  • Warehouse Management Systems (WMS): Lagerverwaltung und Kommissionierung
  • Elektronisches Frachtbrief (CMR): Pflicht in der EU
  • Fahrer-Apps: Auftragsübermittlung und Kommunikation

Ein regionaler Paketdienstleister in Norditalien berichtet: Nach einem dreitägigen Ausfall aufgrund eines Provider-Problems investierte das Unternehmen in eine redundante Anbindung mit Glasfaser + LTE. Die Kosten hatten sich bereits nach sechs Monaten amortisiert durch vermiedene Vertragsstrafen und Kundenverluste.

7. IT-Dienstleister und Agenturen: Cloud-Services und Remote-Arbeit

IT-Dienstleister, Softwareentwickler, Werbeagenturen und Designstudios arbeiten komplett cloudbasiert. Ohne Internet gibt es keine Arbeit - und damit keinen Output für Kunden.

Typische Abhängigkeiten:

  • Cloud-Entwicklungsumgebungen: GitHub, GitLab, AWS, Azure
  • SaaS-Anwendungen: Adobe Creative Cloud, Figma, Slack, Jira
  • Remote-Zugriffe: VPN-Verbindungen zu Kundeninfrastrukturen
  • Videokonferenzen: Tägliche Meetings mit Kunden und Teams
  • Cloud-Backup und -Storage: Projektdaten nur in der Cloud
  • Hosting und Server-Management: Kundenwebseiten müssen betreut werden

Besonders kritisch für Agenturen: Deadlines können nicht eingehalten werden, Kundenprojekte verzögern sich, und die Reputation leidet. Eine Wiener Full-Service-Agentur mit 15 Mitarbeitern setzt daher auf Internet Bonding mit drei verschiedenen Providern (A1 Glasfaser, Magenta 5G, Drei LTE) - Ausfall: 0 Stunden in 2 Jahren.

Technische Lösungen für ausfallsicheres Internet

Es gibt mehrere technische Ansätze, um eine redundante Internetanbindung zu realisieren. Die Wahl hängt von den Anforderungen und dem Budget ab.

Load Balancing vs. echtes Bonding

Die beiden häufigsten Methoden für Redundanz sind Load Balancing und Internet Bonding. Beide haben Vor- und Nachteile:

EigenschaftLoad BalancingInternet Bonding
TechnologieVerbindungen werden getrennt genutztPakete werden auf alle Leitungen verteilt
BandbreiteMax. so schnell wie schnellste LeitungAlle Leitungen werden addiert
FailoverSekunden (Verbindungen brechen ab)Millisekunden (nahtlos)
KostenGünstiger (nur Router nötig)Höher (Aggregator-Service nötig)
AnwendungsfallBüros mit unkritischen AnwendungenEchtzeit-Anwendungen, Produktion

Load Balancing verteilt verschiedene Verbindungen auf verschiedene Leitungen - Laptop A nutzt DSL, Laptop B nutzt LTE. Fällt eine Leitung aus, werden neue Verbindungen auf die andere geroutet, aber laufende Sessions brechen ab.

Internet Bonding hingegen nutzt beide Leitungen gleichzeitig für jede Verbindung - Datenpakete werden intelligent auf alle verfügbaren Leitungen verteilt und am Zielpunkt wieder zusammengesetzt. Das erfordert einen Aggregator-Server im Rechenzentrum, bietet aber echte Redundanz ohne Unterbrechungen.

Welche Technologien lassen sich kombinieren?

Der große Vorteil moderner Redundanz-Lösungen: Sie können völlig unterschiedliche Zugangstechnologien kombinieren. Das erhöht die Ausfallsicherheit zusätzlich, weil verschiedene Provider und verschiedene Infrastrukturen genutzt werden.

Gängige Kombinationen in Deutschland, Österreich und Italien:

  • Glasfaser (FTTH) + 5G/LTE: Höchste Geschwindigkeit + mobile Backup
  • DSL/VDSL + Kabelinternet: Zwei terrestrische Leitungen von verschiedenen Anbietern
  • Glasfaser + Richtfunk: Unabhängige Infrastrukturen
  • Mehrere Mobilfunk-Provider: z.B. A1 + Magenta + Drei in Österreich
  • Starlink + terrestrische Leitung: Für abgelegene Standorte

Wichtig: Idealerweise nutzen Sie verschiedene Provider und verschiedene Technologien. Eine Redundanz aus 'Telekom DSL + Telekom Glasfaser' bringt wenig, wenn der Anbieter ein größeres Problem hat oder Bauarbeiten beide Leitungen betreffen.

VRRP und automatisches Failover

Das Virtual Router Redundancy Protocol (VRRP) ist der Standard für automatisches Failover. Zwei Router (aktiv + passiv) teilen sich eine virtuelle IP-Adresse. Fällt der aktive Router aus, übernimmt der passive innerhalb von Sekunden - vollautomatisch, ohne IT-Eingriff.

Vorteile von VRRP:

  • Automatisches Failover ohne manuellen Eingriff
  • Failover-Zeit unter 3 Sekunden (je nach Konfiguration)
  • Standardisiertes Protokoll, von allen großen Herstellern unterstützt
  • Keine Änderungen an Client-Konfigurationen nötig

Für zeitkritische Anwendungen (VoIP, Videokonferenzen, Produktionssteuerung) ist VRRP jedoch oft nicht schnell genug - hier ist echtes Bonding die bessere Wahl.

Ausfallsicheres Internet in Deutschland, Österreich und Italien

Die Verfügbarkeit und die besten Kombinationen unterscheiden sich je nach Land und Region. Hier ein Überblick:

Deutschland: Glasfaser + 5G

Deutschland hat in den letzten Jahren massiv in Glasfaser-Ausbau investiert. Besonders in Ballungsräumen ist FTTH (Fiber to the Home) mittlerweile weit verbreitet. Gleichzeitig ist das 5G-Netz der Telekom, Vodafone und O2 gut ausgebaut.

Empfohlene Kombinationen:

  • Telekom Glasfaser + Vodafone 5G
  • Lokaler Glasfaseranbieter + Telekom LTE
  • Kabel Deutschland + O2 5G
  • Business DSL Premium (Telekom): Integrierte Backup-Lösung mit automatischem 5G-Fallback

Besonderheit Deutschland: Die Telekom bietet mit 'Business DSL Premium' eine Lösung mit integriertem 5G-Backup. Bei Ausfall der Festnetzleitung wechselt das System automatisch auf 5G - ohne zusätzliche Hardware oder Konfiguration.

Österreich: A1, Magenta, Drei kombinieren

Österreich hat eine exzellente Mobilfunk-Abdeckung durch A1, Magenta (ehemals T-Mobile) und Drei. Gleichzeitig wird Glasfaser in Städten und VDSL/Vectoring in ländlichen Regionen angeboten.

Bewährte Kombinationen:

  • A1 VDSL/Glasfaser + Magenta 5G + Drei LTE (Triple-Provider-Setup)
  • Lokaler Glasfaseranbieter + A1 Mobilfunk
  • Mehrere DSL-Leitungen von verschiedenen Anbietern

Best Practice aus der Praxis: Die Sport Austria Finals 2025 wurden mit einem 3x 5G Bonding (A1, Magenta, Drei) erfolgreich live gestreamt - 320 Mbit/s Upload durchschnittlich, 0 Ausfälle über 3 Tage. Das zeigt: Selbst für unternehmenskritische Anwendungen ist Multi-Provider-Bonding in Österreich produktionsreif.

Italien: TIM, Vodafone, WindTre

Italien hat in Großstädten (Mailand, Rom, Turin) gute Glasfaser-Verfügbarkeit, in ländlichen Regionen ist die Situation jedoch oft schwierig. Hier sind Mobilfunk-Lösungen oft die einzige Möglichkeit für Redundanz.

Typische Setups:

  • TIM Glasfaser + Vodafone 5G
  • Fastweb Glasfaser + WindTre LTE
  • Mehrere Mobilfunkanbieter für ländliche Regionen
  • Starlink + terrestrische Leitung für abgelegene Standorte (z.B. Bergregionen)

Herausforderung Italien: Die Qualität und Verfügbarkeit von Internetanbindungen schwankt stark zwischen Nord- und Süditalien. Unternehmen in ländlichen Regionen Süditaliens setzen daher oft auf Hybrid-Lösungen mit Satellit (Starlink) als dritte Backup-Option.

Kosten und ROI einer Backup-Verbindung

Die Investition in eine redundante Internetanbindung rechnet sich für viele KMU bereits nach dem ersten vermiedenen Ausfalltag. Hier eine realistische Kostenaufstellung:

Investitionskosten

Einmalige Kosten:

  • Bonding-Router (z.B. Peplink, Teltonika, Advantech): 300-800€
  • Installation und Konfiguration: 200-500€ (je nach Komplexität)
  • Zweite Internetleitung: Anschlussgebühr 50-100€ (einmalig)

Monatliche Kosten:

  • Erste Leitung (z.B. Glasfaser 100 Mbit/s): 40-80€/Monat
  • Zweite Leitung (z.B. 5G/LTE 50 Mbit/s): 30-60€/Monat
  • Aggregator-Service (nur bei echtem Bonding): 50-150€/Monat
  • Gesamtkosten: ca. 120-290€/Monat

Für einfaches Load Balancing ohne Bonding entfällt der Aggregator-Service - die monatlichen Kosten liegen dann bei 70-140€.

Wann rechnet sich eine redundante Anbindung?

Die Frage ist nicht 'Lohnt sich das?', sondern 'Was kostet ein Ausfall?'. Hier einige Beispielrechnungen:

**Restaurant (50 Plätze, Kartenzahlungsquote 80%)**

  • Umsatz pro Tag: ca. 2.000€
  • Ausfall von 4 Stunden zur Hauptzeit: ca. 800€ Verlust
  • 2 Ausfälle pro Jahr: 1.600€
  • Jahreskosten Backup-Verbindung: ca. 1.200€
  • ROI: Bereits nach 1-2 Ausfällen positiv

**Arztpraxis (3 Ärzte, 60 Patienten/Tag)**

  • Durchschnittliche Fallpauschale: 35€
  • Umsatz pro Tag: ca. 2.100€
  • Ausfall von 4 Stunden: 30 Patienten müssen weggeschickt werden = ca. 1.050€ Verlust
  • Plus: Reputationsschaden und Patientenabwanderung
  • ROI: Nach 1-2 Ausfällen positiv

**Produktionsbetrieb (CNC-Fertigung, 2 Maschinen)**

  • Maschinenstundensatz: 80€/h
  • Ausfall von 8 Stunden: 1.280€ Maschinenstillstand
  • Plus: Vertragsstrafen bei Lieferverzug, Personalkosten
  • Reale Kosten pro Ausfalltag: 3.000-5.000€
  • ROI: Bereits nach dem ersten vermiedenen Ausfall positiv

Die Rechnung ist eindeutig: Für alle sieben genannten Branchen rechnet sich eine redundante Internetanbindung bereits nach wenigen Monaten - oft sogar nach dem ersten vermiedenen Ausfall.

Häufige Fragen zu ausfallsicherem Internet für KMU

Reicht nicht eine mobile Hotspot-Lösung als Backup?
Ein Smartphone-Hotspot ist besser als nichts, aber keine professionelle Lösung. Probleme: Begrenzte Bandbreite, keine Quality of Service (QoS), kein automatisches Failover, keine statische IP-Adresse. Für kurze Notfälle ok, aber nicht als dauerhaftes Backup geeignet.
Wie schnell ist das Failover bei einem Leitungsausfall?
Das hängt von der Technologie ab. Load Balancing mit VRRP: 2-5 Sekunden (laufende Verbindungen brechen ab). Echtes Internet Bonding: wenige Millisekunden (nahtlos, keine Unterbrechung). Für zeitkritische Anwendungen wie VoIP, Videokonferenzen oder Produktionssteuerung ist Bonding die bessere Wahl.
Kann ich meine bestehenden Internetanschlüsse weiterverwenden?
Ja, das ist einer der großen Vorteile. Sie behalten Ihre bestehenden Leitungen und schalten einen Bonding-Router dazwischen. Es sind keine Änderungen bei den Providern nötig. Bestehende Verträge laufen weiter.
Was ist der Unterschied zwischen Backup und Bonding?
Backup: Die zweite Leitung läuft im Standby und wird nur bei Ausfall aktiviert (passive Redundanz). Bonding: Beide Leitungen sind aktiv und werden gleichzeitig genutzt, Bandbreiten werden addiert (aktive Redundanz). Bonding ist teurer, bietet aber nahtloses Failover und höhere Gesamtbandbreite.
Welche Lösung ist die richtige für mein Unternehmen?
Das hängt von Ihren Anforderungen ab. Für Büros mit E-Mail und Web reicht oft Load Balancing. Für Echtzeit-Anwendungen (VoIP, Videokonferenzen, Cloud-ERP, Produktion) ist echtes Bonding besser. Für Einzelhandel und Gastronomie ist die wichtigste Frage: Wie schnell muss das Failover sein, damit Kartenzahlungen nicht abreißen? Meist: Bonding.
Gibt es Förderprogramme für KMU in Deutschland oder Österreich?
Ja, in Österreich gibt es die KMU DIGITAL-Förderung (30% Zuschuss bis 6.000€) für Digitalisierungsprojekte, die auch Internetinfrastruktur umfassen kann. In Deutschland gibt es das Förderprogramm 'Digital Jetzt' für KMU. Voraussetzung: Beratung durch zertifizierte Berater. Anträge in Österreich ab Q2 2026 möglich.

Fazit: Ausfallsicheres Internet als Wettbewerbsvorteil

Für die sieben genannten Branchen - Einzelhandel, Gastronomie, Arztpraxen, Produktionsbetriebe, Steuerberater, Hotels und IT-Dienstleister - ist eine redundante Internetanbindung heute keine Luxus-Option mehr, sondern geschäftskritisch. Die Kosten sind überschaubar, der ROI meist nach wenigen Monaten positiv.

Die Technologie ist ausgereift und in Deutschland, Österreich und Italien flächendeckend verfügbar. Moderne Bonding-Lösungen kombinieren verschiedene Zugangstechnologien (Glasfaser, DSL, 5G, LTE) und wechseln bei Ausfall automatisch und nahtlos zwischen ihnen.

Besonders in einer zunehmend digitalisierten Wirtschaft wird Ausfallsicherheit zum Wettbewerbsvorteil. Kunden erwarten permanente Erreichbarkeit - wer liefert, gewinnt. Wer ausfällt, verliert nicht nur Umsatz, sondern auch Reputation.

Die Frage ist nicht mehr 'Brauchen wir eine Backup-Verbindung?', sondern 'Können wir uns Ausfälle leisten?'. Die Antwort für die meisten KMU lautet: Nein.

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